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Tradition des Wasserburger Schäfflertanzes

Bei der Suche nach Unterlagen über den Wasserburger Schäfflertanz stieß man für die Vorbereitung der Festschrift für die Fahnenweihe 1988 im Archiv des Wasserburger Heimatmuseums auf einen Artikel des Wasserburger Stadtanzeigers aus dem Jahre 1843.

Doch leider konnte man trotz weiteren Suchens und Nachforschens nicht ermitteln, von wem dieser Tanz aufgeführt wurde und es konnten auch keine weiteren Hinweis gefunden werden, ob zu dieser Zeit bereits eine Schäfflertanzgruppe bestanden hat.

Der nächste Hinweis war eine Meldung in der Ausgabe vom 2. Februar 1907 im Wasserburger Anzeiger:

In der gleichen Ausgabe las man dann noch eine längere Abhandlung mit dem Thema: „Der Schäfflertanz in München – Ein 400 Jahre alter Brauch“. Hierin wird über die Entstehung und die historische Bedeutung des Schäfflertanzes berichtet, beginnend mit den ersten Schäfflertänzen im Jahre 1515.

Leider mussten Wasserburger Einwohner dann in der Ausgabe vom 5. Februar 1907 lesen:

„Die Schäfflertanz-Vereinigung Kolbermoor konnte ihre Absicht, hier den Schäfflertanz vorzuführen leider nicht verwirklichen, da die behördliche Genehmigung versagt wurde.

Am 1. Februar 1909 konnte man aber dann im Wasserburger Anzeiger lesen:

„Wasserburg, 31. Jan, Die „Narragonen“, alias „Karnevalsgesellschaft Wasserburg“ versammelten sich am Montag abend bei Enzinger, nachdem sie eine Woche vorher ihre Tätigkeit mit einer Sitzung im Stechlbräu begonnen haben. Gegenstand der Beratung war natürlich die Narretei für die kommenden Fastnachtstage. Nachdem der Turnverein außerhalb dem Rahmen der „Narragonia“ die Abhaltung des Schäfflertanzes in die Wege geleitet, damit also schon für eine Zugnummer am Faschingssonntag und –Dienstag gesorgt hat, wurde beschlossen, von einer weiteren Veranstaltung seitens der Karnevalsgesellschaft abzusehen. Auch der Kindermaskenzug wird des beim Schäfflertanz erwarteten Gedränges wegen fallengelassen.“

 Überraschenderweise war dann im Wasserburger Anzeiger am 18. Februar die folgende Anzeige zu finden:

Ob der Turnverein den Schäfflertanz, wie in der Mitteilung berichtet, aufgeführt hat, konnte aus der Zeitung leider nicht mehr erfahren werden. Wer oder was die in der Anzeige genannten Faßtreiber waren, konnte leider nicht mehr festgestellt werden.

Nun aber kamen die ersten Berichte über die Absicht der Gründung einer Schäfflertanzgruppe in Wasserburg. Wie aus Mitteilungen bekannt, ist schlug schon im Jahr 1909 Fritz Spenger vor, dass genauso wie in Haag auch in Wasserburg der Schäfflertanz aufgeführt werden soll. Xaver Huber, verdientes Ehrenmitglied beim TV Wasserburg, griff diesen Gedanken bei einer Turnerratssitzung im Jahre 1911 wieder auf, sein Vorschlag auf Gründung einer Schäfflertanzgruppe wurde sofort angenommen und etablierte damit eine bis heute fortgeführte Tradition.

Im Erstaufführungsjahr 1912 wurde das Ereignis, die Aufführung eines Schäfflertanzes in Wasserburg, noch dazu durch einen Verein aus der Stadt, in der Presse groß angekündigt. Die Tanzaufführen genossen großes Interesse in der Bevölkerung; ausführliche Berichte darüber wurden im Wasserburger Anzeiger veröffentlicht.

Das eigentliche nächste Schäfflerjahr – 1919 – wurde wegen des gerade erst zu Ende gegangenen 1. Weltkrieges verschoben.

Im Jahr 1921 wurde der Schäfflertanz dann durch den Turnverein Wasserburg erneut aufgeführt.

Aus dem nächsten Schäfflerjahr – 1928 – liegt ein Protokoll der Turnerratssitzung vom 3. Januar 1928 vor, worin folgendes festgelegt wurde:

„Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Aufführung des nächsten Schäfflertanzes.

Es wurde in längerer Debatte die Einteilung getroffen, wer die Einwohnerschaft besucht, welche Tänze bestellen soll. Man einigte sich dahin, dass die obere Stadt Noder und Thalmeier, die untere Stadt Beyer und Sinzinger bearbeiten. Die Einwohnerschaft rechts vom Inn besuchte Heilmannseder.

Für Reifen bzw. Bögen mit Buchs binden, was der Frau Ruhrseits übertragen wird, werden 25 – 30 M genehmigt.

Für Reklame zum Schäfflertanz werden 100 Plakate bestellt. Der II. Vorsitzende Beyer wird bei der Vereinsdruckerei die Bestellung machen; auch liefert er bezw. besorgt für die Kostümierung der Schäffler die weißen Strümpfe, Halsbinden und Bögen. Die Mützen soll Buchbindermeister Doser reparieren und evtl. erneuern.“

Mit dem nächsten Schäfflerjahr 1935 konnte der siebenjährige Tanzrythmus wieder eingehalten werden. Der nächste Aufführungstermin fiel dann aber dem 2. Weltkrieg zum Opfer, weshalb erst 1949 das nächste Tanzjahr war. Wie auch nach der Pest 1517 „rafften“ sich nach dem Krieg die Wasserburger Sportler unter Sepp Gerer wieder zur Tanzaufführung auf und brachten wieder Heiterkeit und Freude unter die Bevölkerung von Stadt und Land. Und das wiederholt sich seitdem bis heute alle sieben Jahre!

Die letzten beruflich aktiven Schäffler waren (von links):

Heini Fürbeck, Hans Kirmeier, Max Holbl und Emil Wollmann. Heini Fürbeck übte seinen Beruf beim „Bruckbräu“ und Emil Wollmann beim „Grein-Bräu“ aus. Hans Kirmeier war selbständiger Schäfflermeister und Max Holbl – der auch im Jubiläumsjahr unser Schäfflermeister ist – erlernte im Betrieb Kirmeier diesen handwerklich schönen Beruf. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahre 1977.


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